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Diese Umfrage war vom 30. März 2013 bis 30. Juli 2013 aufgeschaltet:

Für die Beurteilung der Gefährdung durch giftige Gase und Dämpfe werden Toxizitätsgrenzwerte verwendet. Diese erlauben z.B. die Beurteilung ab welcher Konzentration und Einwirkungszeit (-> Dosis) ein schädlicher Effekt beim Menschen zu Erwarten ist.

Menschen können unterschiedlich auf dieselbe Schadstoffkonzentration und Einwirkungszeit reagieren.  Viele Toxizitätsgrenzwerte wurden aufgrund von Tierversuchen abgeleitet (z.B. Ethylendiamin), weil ensprechende Daten von Menschen nicht vorliegen. Dies gilt im besonderen für die Beurteilung von Schädigungen die schwerwiegender Natur sind. Allerdings ist der Mensch nicht einfach eine "grosse Ratte" oder eine "grosse Katze".

Ein Beispiel:

Extrakte aus der Badrianplanze werden als Beruhigungsmittel, bei Unruhezustände und Schlafstörungen [2] beim Menschen angewendet.

Die Wirkung von Baldrian auf eine Katze ist im folgenden Zeitraffervideo ersichtlich. In diesem Fall wirkt (= Effekt) Baldrian anregend und nicht wie beim Menschen beruhigend:

Die Dokumentation zu den AEGL - Störfallbeurteilungswerten (AEGL steht für Acute Exposure Guideline Levels) zeigt auf, mit welchen Daten und Unsicherheitsfaktoren die einzelnen Störfallwerte abgeleitet wurden [1]. Beispiel: Ist der Unsicherheitsfaktor 3, würde der Toxizitätswert aus Tierendaten von 300 ppm, dann beim Menschen auf 100 ppm festgelegt.

Als Substanzbeispiel wählen wir eine der 75 Substanzen (Stand: März 2013) mit definitivem AEGL-Störfallbeurteilungswert und einer Produktionsmenge pro Jahr von über 10 Millionen Tonnen [3]:

Ethylendiamin (CAS-Nr 107-15-3)

Unsere Frage lautete:

Welcher Unsicherheitsfaktor wird bei der Ableitung des AEGL-2 Störfallbeurteilungswertes für Ethylendiamin angenommen?

a) (weiss nicht)
b) Faktor 3
c) Faktor 30
d) Faktor 100
e) Faktor 300

Antworten

Keine Antwort gaben 11%. Die Aufschlüsselung der Antworten b), c), d) oder e) ergibt folgende Aufteilung in Prozenten:

Gefahren von Ethylendiamin

Ethylendiamin ist eine klare Flüssigkeit (bei 20°). Es ist ein entzündbarer, explosiver Stoff der stark basisch und giftig ist. Ethylendiamin ist wasserlöslich und fettlöslich.

Es wirkt auf die Haut, Augen und die Atmungsorgane reizend. Ethylendiamin wirkt schädigend auf Lungen und Nieren. Folgender Fall zeigt exemplarisch die akute Gefahr durch Ethylendiamin mit verzögerndem zeitlichen Eintritt von Symptomen [3]:

Ein 36-jähriger Arbeiter kam auf Brusthöhe mit Ethylendiamin in Kontakt. Er atmete während einiger Minuten Ethylendiamin von unbekannter Konzentration ein. Obwohl er die Kleider schnell ablegte und die betroffene Haut gewaschen wurde, kam es nach 4h zu rot-bräunlichen Hautentzündungen, Anurie, hoher Puls, Hämolyse (Auflösen von roten Blutkörperchen). Nach 55h ist diese Person durch Herzstillstand gestorben.

Einzelne Personen, die während der letzten 7 bis 37.3 Monate vor einem Unfall mit einer Konzentration von kleiner als 1 ppm Ethylendiamin in Kontakt gekommen sind, können durch den Kontakt sensibilisiert worden sein. D.h. bei einem Unfall reagieren diese sensibilisierten Personen mit heftigen asthmatischen Reaktionen selbst bei tieferen Konzentrationen bei denen unsensibilisierten Astmatikern eine Reaktion zeigen.

Asthmatische Reaktionen können erst Stunden nach der Einwirkung mit Ethylendiamin auftreten [3].

Auswertung

Die AEGL-Werte von Ethylendiamin sind:

Die Mehrheit, d.h. 36 % der Antwortenden wählten den Unsicherheitsfaktor 3. Richtig ist Antwort d) Faktor 100. Diese wurde von 27 % der Teilnehmer gewählt.

Der Grund für diesen hohen Unsicherheitsfaktor liegt darin, dass bei Menschen keine zuverlässigen, quantitativen Daten zur toxischen Wirkung von Ethylendiamin bekannt sind. Die massgebliche Studie für die Ableitung des AEGL-2 Störfallbeurteilungswertes stammt aus dem Jahr 1949 [3]:

In einem Tierexperiment wurden Versuchstiere (Ratten und Meerschweinchen) währhend 30 min bis zu 8 h mit ungefähr 484 ppm Ethylendiamin ausgesetzt. Ratten zeigten dabei bei 8h Einwirkungszeit Bronchialödeme von unbekannter Schweregrad und eine leichte Schwellung der Niere.

484 ppm bei Versuchstieren nach 8h Einwirkungszeit ergibt mit dem Unsicherheitsfaktor 100:

484 ppm / 100 = 4.8 ppm AEGL-2 (8h) Störfallbeurteilungswert für Menschen.

Referenzen

[1] Deutsches Umweltbundesamt, www.umweltbundesamt.de/nachhaltige-produktion-anlagensicherheit/anlagen/AEGLWEB/Pages/Pages-De/index-d.html

[2] Oxman et al.: A Televised, Web-Based Randomised trial of an Herbal Remedy (Valerian) for Insomnia. PLoS ONE 2007; 2 (10): e1040

[3] National Research Council, Acute Exposure Guideline Levels for Selected Airborne Chemicals, The National Academies Press, Washington, Vol 5., 2007

Highlights

29.12.2016 16:20

Auswertung Umfrage "Aktivierungs- energie"

finden Sie [hier]




21.12.2016 18:22

MET für Windows Version 6.5

Die wichtigsten Neuerungen [mehr]




11.10.2016 15:46

Die App zu MET: Eine Vorschau

[mehr]




13.05.2016 08:31

Mai Service-Update für MET für Windows 6.0 verfügbar.

[mehr]




31.12.2015 15:49

Auswertung Umfrage "Kaltes Feuer"

finden Sie [hier]




12.11.2015 19:40

Openstreetmap

Version 6 von MET für Windows unterstützt die Verwendung von Openstreetmap-Karten [hier]



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