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Am 9. April 2008 um 14.10 Uhr wurde in einem Chemiebetrieb in Duisburg das Gas Schwefeldioxid freigesetzt. Nach ersten Erkenntnissen wurde das Gas wegen eines defekten Ventil bei einem 23 Tonnen Tank freigesetzt.  

Ereignisablauf

Gemäss dem Betreiber kam es beim Befüllen eines Transportbehälters in einer Abfüllhalle zur Freisetzung von Schwefeldioxid. Nach ersten Erkenntnissen ist der Störfall durch ein defektes Ventil verursacht worden. Der Nachrichtensender WDR berichtet, dass nach dem Befüllen des Tanks der Schlauch abgezogen worden sei und weil das Ventil nicht ordnungsgemäss geschlossen hatte, konnte Schwefeldioxid freigesetzt werden. Der besagte Container wies angeblich ein Doppelventil auf und wurde im November vom TüV überprüft. Ein Teil des Gases ist dann ins Freie gelangt wo die Feuerwehr mit Wasser möglichst viel des Schwefeldioxids zu binden versuchte.  Um 15.20 Uhr wurde das Leck von Mitarbeitern und Feuerwehr geschlossen.

Kurz nach dem Unfall konnte eine Konzentration von 20 ppm gemessen werden. Die Polizei hatte die Bewohner im Umkreis von 500 Metern aufgefordert Fenster und Türen zu schliessen. In der Folge wurden 150 Bewohner evakuiert. Beim Unfall wurden zwei Arbeiter verletzt und 20 Anwohner wurden vorsorglich ins Krankenhaus eingeliefert.

Physikalische und Chemische Eigenschaften

Schwefeldioxid ist ein farbloses, stechend riechendes Gas. Es ist nicht brennbar. Es weist einen Siedepunkt von -10°C auf und liegt deshalb bei Umgebungstemperaturen > -10°C gasförmig vor. Das Gas Schwefeldioxid ist 2.3x schwerer als Luft und verhält sich deshalb wie ein Schwergas. Mit Wasser reagiert Schwefeldioxid zu schwefliger Säure und vermag bei  0°C 17.7%,  15°C 11.9% und 25°C 8.5% Schwefeldioxid zu lösen. 

Gefahren

Auf der rechten Seite sehen Sie die Hauptprogrammaske der MET PocketPC Version für Schwefeldioxid. In diesem Bild sehen Sie den Gefahrendiamant für Schwefeldioxid. Die Zahlen von 0..4 (0= min. 4=max) drücken die unterschiedlichen Gefahren aus: Es sind Blau = die Gesundheitsgefährdung, Rot = die Brandgefährlichkeit und Gelb = die Reaktionsgefährlichkeit. Schwefeldioxid wirkt giftig (Zahl 3) ist aber nicht brennbar (Zahl 0) und die Reaktionsgefahr wird als klein (Zahl 0) beurteilt.

Toxikologische Grenzwerte

Die Acute Exposure Guideline Levels kurz AEGL-Werte "sind Störfall-Konzentrationsleitwerte zur Ausfüllung der Störfall-Verordnung bzw. nach Europäischem Recht der Seveso-II-Richtlinie" [Umweltbundesamt DE]. Für Schwefeldioxid sind die AEGL-2 für 10 min Aufenthalt 0.75 ppm und der entsprechende Wert AEGL-3 30 ppm. Aufgrund dieser Werte ist Schwefeldioxid bei einer Wirkdauer von 10 min giftiger als Chlor einzuschätzen. Mit einer gemessenen Konzentration von 20 ppm Schwefeldioxid wird der AEGL-2 Wert für 10 min überschritten. Die Definitionen des AEGL-2 und AEGL-3 besagen:

"AEGL-2 ist die luftgetragene Stoff-Konzentration (ausgedrückt in ppm oder mg/m3), bei deren Überschreiten die allgemeine Bevölkerung irreversible oder andere schwerwiegende, lang andauernde Gesundheitseffekte erleiden kann oder bei denen die Fähigkeit zur Flucht beeinträchtigt sein kann. Luftgetragene Stoff-Konzentrationen unterhalb des AEGL-2- aber oberhalb des AEGL-1-Wertes bedeuten Expositionshöhen, die spürbares Unwohlsein hervorrufen können."

"AEGL-3 ist die luftgetragene Stoff-Konzentration (ausgedrückt in ppm oder mg/m3), bei deren Überschreiten die allgemeine Bevölkerung lebensbedrohliche oder tödliche Gesundheitseffekte erleiden kann. Luftgetragene Stoff-Konzentrationen unterhalb des AEGL-3- aber oberhalb des AEGL-2-Wertes bedeuten Expositionshöhen, die irreversible oder andere schwerwiegende, lang andauernde Gesundheitseffekte hervorrufen oder die Fähigkeit zur Flucht beeinträchtigen können."

Hauptmaske MEMPLEX initial zu SO2
Gefahrenhinweise
Leckagehinweise
Toxikologische Daten
Gefahrenabschätzung mit MET

Das Schwefeldioxid wurde bei diesem Unfall im Tank als Flüssigkeit gelagert. Der Inhalt steht bei Umgebungstemperaturen über dem Siedepunkt deshalb unter Druck. In diesem Fall von ca. 2 bar.

Im Tank bilden sich eine flüssige- und eine gasförmige Phase. Die Freisetzung durch ein Leck oberhalb des Flüssigkeitsniveaus führt zur Senkung der Tankinnentemperatur. Der Druck und damit die Freisetzungsrate sinken mit der Zeit. In der folgenden Grafik sehen Sie der Verlauf der Tankinnentemperatur (blaue Line) in Kevin mit der Zeit (rote Line Siedepunkt von SO2):

Während der Freisetzungszeit von 70 min wird bei einem kreisrunden Leck mit Durchmesser von 2.5 cm 0.188 kg/s total also 790 kg Schwefeldioxid freigesetzt. 

Die Bemühungen der Feuerwehr das Schwefeldioxid mit einer Wasservorhang zu binden hat zusätzlich die Gaskonzentration verkleinert. Wir nehmen an, dass ca. 50% der Masse abgefangen werden konnte.

Wenn wir nun den Werte 395 kg in MET einsetzen und erhalten wir folgende Maske:

 

MET Szenario mit 395 kg SO2
Gefährdungsdistanz in Windrichtung (Ausbreitungsklasse C)
Personen im Freien 440 m
Personen im Freien mit Berücksichtigung des Auswascheffektes   320 m
Interpretation

Diese Interpretation setzt die Richtigkeit der Annahmen voraus, z.B. betreffend Leckdurchmesser, Tanktemperatur usw. 

  • Die Aufforderung der Polizei bis in eine Distanz von 500 m sich in den Schutz eines Hauses zu begeben und die Fenster und Türen zu schliessen ist eine angemessene Massnahme. 
  • Bei schweren Gasen, wie dies auch bei Schwefeldioxid der Fall ist, ergibt das Aufsuchen von den oberen Stockwerken in einem Gebäuden mit abgeschaltener Lüftung einen zusätzlichen Schutz. 
  • Der Bevölkerung sollte eine Endalarm-Meldung mitgeteilt werden mit der Aufforderung die Wohnung und das Hauses zu Lüften.
  • Der MAK-Wert ist ungeeignet als Beurteilungsgrösse bei Unfällen, weil er sich auf gesunde Arbeiter bezieht und Kinder oder Personen mit Atembeschwerden nicht berücksichtigt.   
Referenzen
Highlights

29.12.2016 16:20

Auswertung Umfrage "Aktivierungs- energie"

finden Sie [hier]




21.12.2016 18:22

MET für Windows Version 6.5

Die wichtigsten Neuerungen [mehr]




11.10.2016 15:46

Die App zu MET: Eine Vorschau

[mehr]




13.05.2016 08:31

Mai Service-Update für MET für Windows 6.0 verfügbar.

[mehr]




31.12.2015 15:49

Auswertung Umfrage "Kaltes Feuer"

finden Sie [hier]




12.11.2015 19:40

Openstreetmap

Version 6 von MET für Windows unterstützt die Verwendung von Openstreetmap-Karten [hier]



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