Ressourcen » Chemie-Unfaelle » Chlor (USA)

In der Nähe von Graniteville (South Carolina, USA) ist am 6.1.05, 0230h Ortszeit ein Güterzug mit 42 Waggons mit einem abgestellten leeren Frachtzug zusammengestossen. Der Güterzug hatte unter anderem Chlor, Natriumhydroxid und Cresol transportiert.

Austritt

Ein Chlorgaswagen (max. Inhalt ca. 131 Tonnen) schlug Leck, die anderen wurden nur beschädigt. Gemäss EPA wurden 70%, also ca. 90 Tonnen Chlor, sofort freigesetzt [EPA Situation Report #2]. Bis zum Abend konnte das Leck noch nicht abgedichtet werden. Die Unfallursache war am Donnerstagabend noch unklar. Ein Team der nationalen Verkehrssicherheitsbehörde untersucht, wie die beiden Züge auf das gleiche Bahngleis kamen. Wegen der Vergiftungsgefahr konnten Ermittler der Nationalen Verkehrssicherheitsbehörde die Unglücksstelle nicht besuchen.

Verletzte

Mindestens 8 Personen haben bei dem Unglück den Tod gefunden, ungefähr 240 weitere wurden verletzt [EPA Situation Report #3]. 200 konnten nach ambulanter Behandlung das Krankenhaus am Abend wieder verlassen. Die meisten Verletzten litten an Beschwerden der Atemwege.

Die Behörden liessen die Häuser mit 5400 Anwohnern im Umkreis ca. 1.6 km am Nachmittag evakuieren [EPA Karte], weil sie befürchteten, das Gas könnte sich in der Kälte der Nacht am Boden festsetzen und den Menschen dann besonders gefährlich werden. Zuvor hatten die Anwohner die Anweisung erhalten, ihre Häuser nicht zu verlassen. Schulen und Fabriken in der Umgebung der Unfallstelle blieben am Donnerstag ab 0600 – 0700 h geschlossen. Für das Gebiet wurde der Ausnahmezustand erklärt. Alle 5400 Anwohner im Umkreis von knapp zwei Kilometern mussten vorsorglich ihre Wohnungen verlassen.

Über der Ortschaft hing den ganzen Tag über eine Chlorgaswolke mit einem starken Geruch „wie im Schwimmbad”. Am Samstag war die Evakuationszone noch immer 1 Meile im Radius (1.6 km).

Bis auf den Lokführer sind alle Toten dem giftigen Chlor zum Opfer gefallen. Fünf der Leichen wurden in einer Textilfabrik nahe der Unfallstelle in Graniteville an der Grenze zum Bundesstaat Georgia aufgefunden. Diese Nahe gelegene Textilfabrik beschäftigte in der Nachtschicht 400 Angestellte. Zwei weitere Opfer waren zu Hause beziehungsweise im Auto von dem tödlichen Gas überrascht worden. Die Person im Auto war während 2 Stunden im Auto eingeschlossen, welches von einem Baum getroffen wurde, den der Zug umgeworfen hatte.

Rodney Johnson, ein Maschinenoperateur arbeitete in der Nachtschicht in der Textilfabrik, als er einen starken Chlorgeruch wahrnahm: "I saw a green mist coming toward me. I stepped up to see what it was and ran to my supervisor. He said to get them out." Johnson lud Mitarbeiter in sein Auto und fuhr zum Spital. Er meinte danach: "It tore me all up, my eyes burned and lungs hurt. I couldn't breathe at all. All I could think about was breathing and getting to rescue."

Vergleich

Der Chemieunfall in Graniteville, South Carolina zählt zu den schlimmsten Zugunglücken der letzten 25 Jahren in den USA.

  • 1978 waren in Tennessee 15 Menschen nach einer Zugentgleisung durch austretende giftige Gase ums Leben gekommen. Im selben Jahr starben bei einem anderen Zugunglück acht Menschen in Florida.
  • Bei einem Unfall in Alberton, Montana vom 11. April 1996 wurde aus einem Bahnkesselwagen 64.8 Tonnen Chlor freigesetzt. Es wurde eine Person getötet und mehrere verletzt.
  • Am 28. Juni 2004 kollidierten Züge der Union Pacific and Burlington Northern Santa Fe ausserhalb San Antonio. Dabei schlug auch ein Chlorgastank leck. Der Lokführer und zwei Personen in nahe gelegenen Häusern starben, 50 Personen wurden hospitalisiert.
Mit MET nachgerechnet

Zur Abschätzung verwenden wir folgende Daten:

  • Freisetzung aus Chlorkesselwagen mit 90 Tonnen Chlor
  • Druckverflüssigt
  • Schlagartige Freisetzung.
  • Windgeschwindigkeit: 6 mph
  • Lufttemperatur: 10 Grad Celsius
  • Tageszeit: Nacht
  • Bedeckungsgrad des Himmels: > 50%
  • Luftfeuchtigkeit: 90%

Mit diesen Daten erhalten wir eine Gefährdungsdistanz im Freien 7.0 km  und im Haus von 4.5 km (Atemrate in beiden Fällen 30 l/min).

Interpretation

Die abgeschätzte Gefahrendistanz für Personen im Schutz eines Hauses von 4.5 km ist wesentlich weiter als die effektiv verhängte Evakuierungsdistanz von 1.6 km. Selbst wenn davon ausgegangen wird, das Personen im Schutz eines Hauses schlafen und dabei die Atemrate auf ca. 5 l/min absinkt müsste mit einer Gefährdungsdistanz von 2.6 km gerechnet werden.

Interessanterweise wurde beim Unfall von Alberton, Montana vom 11.4.1996 aus einem Bahnkesselwagen 64.8 Tonnen Chlor freigesetzt. Dabei wurde ein Gebiet von 4 Meilen Radius also 6.4 km evakuiert. Die Wolke zog über 2 Meilen [1].

Möglicherweise wurde jedoch weit weniger Chlor freigesetzt, diese Vermutung wird durch ein kürzlich publizierter Bericht gestützt, in dem von einer langsamen Freisetzung über ein faustgrosses Loch gesprochen wird. Klarheit wird erst der Unfallbericht der NTSB (National Transportation Safety Board) geben.

<b>Links&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</b>
<link http://www.epa.gov/region4/graniteville/>EPA Graniteville</link> U.S. Environmental Protection Agency - Norfolk Southern Graniteville Derailment (E)
<link http://www.wltx.com/news/news19.aspx?storyid=23979>Fotogalerie</link> Fotogalerie WLTX News19 (E)

Literatur

  1. Metcalf S, Imtiaz R, Haugh G, Alberton Chlorine Spill, Alberton, Montana, Phase 1 Study Report, Agency for Toxic Substances and Distease Registry Division of Health Studies, December 1998
Highlights

29.12.2016 16:20

Auswertung Umfrage "Aktivierungs- energie"

finden Sie [hier]




21.12.2016 18:22

MET für Windows Version 6.5

Die wichtigsten Neuerungen [mehr]




11.10.2016 15:46

Die App zu MET: Eine Vorschau

[mehr]




13.05.2016 08:31

Mai Service-Update für MET für Windows 6.0 verfügbar.

[mehr]




31.12.2015 15:49

Auswertung Umfrage "Kaltes Feuer"

finden Sie [hier]




12.11.2015 19:40

Openstreetmap

Version 6 von MET für Windows unterstützt die Verwendung von Openstreetmap-Karten [hier]



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