Ressourcen » Chemie-Unfaelle » Styrol (F)

Gemäss Medienberichten ist in Frankreich am 24. Juni 2005 eine

  • Erhebliche Mengen der Chemikalie Styrol in die Umwelt gelangt
  • Dem Vernehmen nach wurden durch den Ausfall eines Notstromaggregats im Störfallbetrieb mehrere Tonnen Styrol in die Luft frei gesetzt.
  • Dem angrenzenden Bundesland Saarland wurde keine Meldung über die Freisetzung von Styrol mitgeteilt.

Physikalische Eigenschaften

Stryol, auch Vinylbenzol oder Phenylethylen, genannt ist eine farblose, benzolartig riechende, stark lichtbrechende, brennbare Flüssigkeit.

Wie unten in der MET Maske ersichtlich:

  • Stryol hat einen Siedepunkt von 145 Grad Celsius und liegt bei Normbedingungen als Flüssigkeit vor. Der Dampfdruck ist entsprechend mit 5 hPa = 5 mbar klein. 
  • Der Flammpunkt liegt bei 31 Grad Celsius und ein Gemisch mit Luft ist innerhalb von 1 bis 9 Vol% zündfähig.
  • Styroldämpfe mit einem Dampfdichteverhältnis vom 3.6 sind schwerer als Luft. Bei einer Freisetzung besteht daher die Gefahr das die Dämpfe in die Kanalisation absinken, oder z.B. in Tiefgaragen und Kellern ansammeln und dort ein zündfähiges Gemisch bilden.
  • Stryol hat eine Wasserlöslichkeit von 0.24 g in 1 kg Wasser und ist daher in Wasser schwerlöslich. Weil die Dichte von Stryol mit 910 kg/m3 kleiner als von Wasser ist, bildet das flüssige Stryol auf einem Gewässer eine obenliegende Phase.

Toxische Eigenschaften

Styroldämpfe bewirkt eine Reizung der Augen und der Haut. Bei längerer Einwirkung ist eine Blasenbildung möglich.

Stryol wird zum Vergleich z.B. zu Essigsäure als weniger toxisch beurteilt (PAC-1 Wert von Stryol 20 ppm, PAC-1 Wert von Essigsäure 5 ppm). Allerdings stuft die EPA Stryol möglicherweise als krebserregend für Menschen ein (siehe EPA Air Toxics Website Styrene).

Stryol hat einen Geruchsgrenze von 1 ppm, d.h. Stryol ist über den Geruch sehr gut wahrnehmbar. Und zwar bei einer viel niedrigen Konzentration als die Limite für die toxische Wirkung von 130 ppm für den PAC-2 (1 Stunde).

Gefahrenabschätzung mit MET

Im Pressebericht steht "mehrere Tonnen Styrol in die Luft frei gesetzt.". Die Angaben sind also wage. Wir nehmen an es wurden 5 Tonnen Stryol in die Luft freigesetzt. Die Wetterangaben fehlen komplett, auf Grund der Grosswetterlage der letzten Tage in Europa nehmen wir eine Windgeschwindigkeit von 10 km/h und eine Lufttemperatur von 33 Grad Celsius an. Mit diesen Angaben erhalten wir toxische Gefahrendistanzen von 450 m für Personen im Freien sowie 30 m für Personen im Schutz von Häusern (mit geschlossenen Fenstern, Türen und abgestellter Lüftungsanlage).

Die Gefährdungsabschätzung mit der ermittelten Distanzen von ca. 450 Meter beruht auf einem augenblicklichen Eintrag der gesamten Stryol-Masse von 5 Tonnen in die Gasphase. Da Stryol einen Siedepunkt von 145 Grad Celsius aufweist, muss eine Wärmequelle vorliegen. 

Wenn wir einen Grossbrand annehmen reduziert sich die Gefährdungsdistanz auf 80 m im Freien, weil ein Teil des Stryols verbrennt oder durch die Thermik in die Höhe getrieben wird.

Bei einer Lachenverdampfung mit einer Lachedimension von 10 m x 5 m und einer max. Freisetzungszeit von 2 Stunden erhält man die minimale MET Gefahrendistanz von 20 m. 

Interpretation

Die Gefahrenanalyse mit MET zeigt eine Gefährdung im ungünstigen, angenommenen Szenario von ca. 450 Meter.

Die Geruchswahrnehmung in diesem Fall liegt bei ca. 6 km und es mit vielen besorgten Menschen zu rechnen, die den für viele Personen unbekannte Geruch von Stryol wahrnehmen. Es muss daher das Ziel sein, die Bevölkerung sachkundig zu informieren.

Obwohl Häuser eine Schutzwirkung gegen Gaswolken bieten sollte nach dem Abziehen einer Gaswolke die Bevölkerung informiert werden, so dass Räume gründlich gelüftet werden, weil sonst über die kleine Gebäude-Luftaustauschrate dies zu einer längeren Einwirkung eines Gases führt (siehe Simulation Schutz im Haus).

 

 

Highlights

29.12.2016 16:20

Auswertung Umfrage "Aktivierungs- energie"

finden Sie [hier]




21.12.2016 18:22

MET für Windows Version 6.5

Die wichtigsten Neuerungen [mehr]




11.10.2016 15:46

Die App zu MET: Eine Vorschau

[mehr]




01.07.2016 09:17

Openstreetmap

MET für Windows unterstützt die Verwendung von Openstreetmap-Karten [hier]



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